Last but not least!

Die Galápagos Reihe neigt sich ihrem lang gefürchteten Ende entgegen und verabschiedet sich mit wunderschönen Eindrücken der Insel Santa Isabela.

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Und seinen Bewohnern.

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Um die Melancholie, die sich hoffentlich bei allen schon ausgebreitet hat, noch ein bisschen anzuheizen, hier ein Eindruck von einem, meiner Meinung nach, schönen Platz um seine letzte Ruhe zu genießen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit man sich in abgebildeten Stadium noch dafür interessiert, aber der Ausblick dieses Friedhofs ist bereits im ersten Foto abgebildet und schmeichelt dem Auge, oder dem, was davon übrig geblieben ist.

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Wir statteten, wieder mal mit geliehenen Fahrrädern, auch der berühmten Muro de las Lágrimas, der Mauer der Tränen, einen Besuch ab:

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Es ist ein Konstrukt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, als die Insel noch als Strafkolonie genutzt wurde. Sträflinge mussten unter der unerbittlichen Sonne diese Mauer errichten, angeblich, da sie zu den Außenmauern eines neuen Gefängnisses zählen sollte. Jedoch wird vermutet, dass dieses Gefängnis nie geplant war und somit die Arbeit, bei der wohl Tausende starben, ohne wirklichen Sinn ausgeführt wurde.

Ihr Name ist glaube ich selbst erklärend, ebenso wie ein (un)schönes Sprichwort über diesen Ort:

A place where the tough cry,

And the weak die.

 

Wie ihr merkt ist die Stimmung nun auf dem Höhepunkt angekommen und somit wenden wir uns anderen Themen zu: MIR

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Und MIR, auf dem Vulkan Sierra Negra.

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Ein Vulkan, der mit einem Krater Durchmesser von knapp unter 10 Kilometern zu einem der….Durchmesser-größten Vulkane der Welt gehört.

Bitte guckt jetzt nicht im Internet nach, ob das alles so stimmt, ich hab auch nicht nachgeguckt, aber meine, mich zu erinnern.

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Gleicher Vulkan, andere Besetzung

 

Auf unserer 5 stündigen Wanderung begegnete uns auch ein Landleguan, zu unterscheiden von seinen marinen Gefährten, dadurch, dass er an Land lebt 😉

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Los Túneles – Felsenformationen (der größte Teil unterwasser) vor der Küste Isabelas, in denen ich mit Irina mit Riesenschildkröten geschnorchelt bin. (Siehe Facebook)

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Abgeschlossen wird dieser Blogeintrag, und somit auch das Erlebnis Galápagos, von einem Felsen vor der Küste Isabelas, …weil ich ihn schön finde!

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Ich melde mich wieder, nächstes Mal zur Abwechslung wieder mal mit einem Artikel über meine Arbeit.

Bis bald,

Nicolas

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Santiago aus der Sichtweise eines Königs

Meine lieben Leser,

nach langer Kunstpause, die die Spannung auf den Höhepunkt treiben sollte, hier nun endlich Teil drei der Galápagos-Reihe.

Da in der heutigen Zeit nichts mehr still steht, beschlossen wir, diesem Trend zu folgen und entschlossen uns kurzerhand, eine „Kreuzfahrt“ zu machen, um dann langen Schrittes alle Anbieter von mehrtägigen Inseltours abzuklappern. Nach einem Tag voll mit Verhandlungen und Feilen, bestätigten wir schließlich unsere 5 tägige Reise um die Insel Santiago auf unserem „Schiff der ökonomischeren Klasse“ mit dem wunderschönen Namen „King of the Seas“

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…In diesem Fall verblassend hinter dem König der Lüfte

Und in anderen Fällen verblassend neben so ziemlich jedem anderen Schiff, da wir uns durch unser Feilschen wirklich auf das aller Billigste vom Billigen katapultiert hatten.

Hier trotzdem ein Bild, in dem unser König in seiner voller Pracht erstrahlt:

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Jap, wir sind auf dem linken Schifflein zu finden (richtig, das, was aussieht wie ein Rettungsboot), das rechte überstieg unser Budget minimal…

Wir begaben uns also auf unsere persönliche Odyssee und hatten dabei noch internationale Kameraden an Bord, aus aller Herrenländer: Schweden, Schweiz, Australien, Spanien,

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Nicht abgebildet ist eine ältere russische Dame (von uns liebevoll Babuschka getauft), die in Amerika lebt, aber nur brockenhaft französisch spricht. Wieso? Keine Ahnung, ich sprech kein Französisch.

Unser Tagesablauf war eigentlich immer der gleiche:

Frühstück
Ausflug
Mittagessen
Ausflug
Abendessen

Die Ausflüge vom Boot waren meistens Schnorchel Gelegenheiten und das Essen an Bord war das Beste, was wir in der ganzen Zeit auf den Inseln zu uns genommen haben.

Wieder einmal erschlug uns die Artenvielfalt:

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Weitere Highlights auf unserer Reise waren atemberaubende Sonnenuntergänge:

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Riesige Lavafelder:

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Verlassene Buchten:

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St. Bartolomé, der wahrscheinlich bekannteste Ort auf den Galápagos Inseln:

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St. Bartolomé, der wahrscheinlich bekannteste und mit Sicherheit touristischste Ort auf den Galápagos Inseln:

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Und natürlich Patricks Geburtstag, der mit landestypischer Gürtelauspeitschung und Kuchen ausgiebig gefeiert wurde:

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In der Hoffnung, dass ich es schaffe, den letzten Teil so schnell wie möglich zu veröffentlichen, sage ich Adiós und bis bald

Nicolas

 

 

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Santa Cruz

Auf San Cristóbal gibt es offensichtlich soo viel zu sehen, dass ich es nicht einmal geschafft habe, alle Fotos in meinen Artikel zu stellen. Hier also ein kleiner Nachtrag:

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Moving on…

Santa Cruz, auf der die touristischste Stadt der Inseln, Puerto Ayora, gelegen ist, war also unser nächster Stop und nur durch ein zweistündige, Magen-umdrehende Bootsfahrt zu erreichen.

Nun fällt mir auf, dass  die ganzen Insel und Städte Namen zwar unglaublich schön klingen, euch aber höchstahrscheinlich nicht so viel bringen, in Betracht auf geographische Ortung meiner Abenteuer. Insofern, nur für meine werten Leser. eine kleine Hilfestellung:

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So, eine kleine Überraschung erwartete uns, als wir auf Santa Cruz ankamen: Es gab ziemlich viel zu sehen, was doch ziemlich schockierend war, da wir kein einziges Schild entdeckten, welches uns daraufhinweisen hätte können.

Zum Beispiel gab es dort:

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Leguane! In diesem Fall auf Stein, jedoch in seiner abgebildeten, marinen Auflage auch im Pazifischen Ozean heimisch (und, wie auch der Landleguan eigentlich ziemlich faul)

 

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Unglaublich süße Robben, die man am Strand  aus nächster Nähe betrachten konnte. Info am Rande: Es handelt sich eigentlich um Seehunde, meiner Meinung nach wird dieser Name jedoch nicht der Niedlichkeit dieser Wesen gerecht, und so werde ich weiterhin von den viel knuddeliger klingenden Robben schreiben 😛

Diese Tiere werden in ihrer Drolligkeit nur noch getoppt von….

 

 

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Baby Robben!!!

Genug von Robben, nun einmal Fokus auf das wunderschöne Abendlicht, in welchem man den Tag auf den Galápagos Inseln ausklingen lassen kann.

Eine ruhige, besinnliche Atmosphäre….

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…unterstrichen von Dutzenden von Robben!!!!! 😉

 

Um ein wenig Abstand von Meerestieren zu bekommen, mieteten wir uns Fahrräder, ließen uns von einem Pick-Up ins deutlich höher gelegene Insel-Innere fahren, um von dort dann zurück nach Puerto Ayora an die Küste zu fahren.

Angefangen haben wir mit der Besichtigung von „Los Gemelos“(Die Zwillinge), zwei Kratern, verursacht durch den Einsturz der oberen Erdschichten.

Da es riesen Löcher sind und sowieso nicht ganz aufs Bild gepasst haben, dachte ich mir, ich stelle auch noch einen weißen Touri mit ins Bild, um richtiges Galápagos-Feeling zu wecken.

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Nächster Stop: Schildkröten-Reservat. Siehe auch: San Cristóbal, dort gibt es viel zu sehen! ( Jedoch nicht die einzigartige Schildkröten-Spezies, die uns hier vor die Linse kroch, angelockt durch Patricks Fütterversuche!)

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Und selbst in Puerto Ayora, dem pulsierenden Zentrum des Touristen-Lebens auf den Galápagos Inseln, hat es der Mensch (zumindest bis jetzt) nicht geschafft, die Einheimischen zu vertreiben, die sich sogar als Opportunisten die doch eher unwillkommen Neuankömmlinge als hauseigene Futterversicherung halten.

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Ein abgelegener Strand namens Tortuga Bay, der nur durch einen 90 minütigen Spaziergang durch Opuntien-bewaldete Natur erreichbar ist, bietet optimales Terrain für invasive Arten, den Konkurrenzdruck auf der Suche nach Weibchen für endemische Organismen zu erhöhen. Denn ähnlich wie das Rad des Pfaues, oder die rote Signalfarbe der heimischen Krebse, zieht der abgeknickte Handstand in Schlabberhosen des jugendlichen Ausländers (adulescendus extranus) Weibchen aller Spezies in Massen an!

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Nach erneutem Dummschwätzen, möchte ich nun diesen Artikel mit einem Bild der einheimischen Blaufußtölpel (Blue-Footed Boobies/ Piqueros Patas Azules) abschließen, in der Hoffnung, dass die Natur samt Lebewesen, und nicht meine Handstände in Erinnerung bleiben.

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Für die Allgemeinbildung: Diese Vögel erhalten ihre blauen Füße allein durch ihre Nahrungsaufnahme (ausschließlich Fische) und provozieren damit eine von mir aufgestellte These, die jedoch bis jetzt nicht bewiesen wurde: Je blauer, desto fetter!

Liebe Grüße aus Ecuador. Qué les vaya bien!

Nicolas

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En San Cristóbal hay mucho que ver!

So meine Lieben,

ich beginne hiermit ein Blogpostserie von voraussichtlich 4 Artikeln, die atemberaubender nicht sein könnten und euch in gleichem Maße in Erstauen versetzen werden, wie sie Hass und Eifersucht auf mich unter euch streuen werden!
Nur zur Beruhigung: Ich kann beides verstehen!

Ich habe mich entschieden, euch ein wenig Auszeit von meinen betörenden Worten zu geben, die in ihrer unnachahmlichen Art, wie die Komposition einer lieblichen Melodie aufs Blatt, beziehungsweise auf den Bildschirm, schweben, und Geist und Seele meiner Leser beleben!
Ach ja, Bandwurmsätze müsst ihr euch auch nicht mehr dreimal durchlesen, bevor ihr merkt, dass sie keine wichtige Aussage enthalten.

Soll heißen: Ich möchte mich in den nächsten Tagen und Artikeln auf bessere Bildunter- und überschriften beschränken, da ich glaube, dass die Bilder einer hochauflösenden Spiegelreflexkamera euch in diesem Fall (und auch nur in diesem) näher ans Geschehen heranbringen können. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Maike, die eben jene Kamera zur Verfügung gestellt hat.

Es begab sich aber zu der Zeit, als sich alle drei Freiwillige (Irina, Patrick und Ich), die in Esmeraldas zu Hause sind kurzerhand auf die Galápagos Inseln begeben, damit sie schätzen lernen, was die Natur so alles kann. Die ist schwanger von Leben und Lebewesen in einem faszinierenden Ökosystem rund tausend Kilometer vom ecuadorianischen Festland entfernt.

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Liebe auf den ersten Blick!

Was hattet ihr gedacht, nur weil ich weniger schreibe heißt dass nicht, dass ich nicht noch genauso dummschwätzen kann!

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So, nach dem Titel jetzt zum zweiten mal das Versprechen, und diesmal sogar bilingual! – Es gibt wohl viel zu sehen auf San Cristóbal, der östlichst gelegenden der 4 Inseln, die ich erkunden werde!

Und was genau?

DAS!

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In diesem Fall für die Robbe nur Boote, aber für uns eine Robbe, was weitaus spannender ist!

Direkt nach Ankunft und Hostel-Suche zogen wir los, in Richtung einer Fels-Bucht, in der wir unsere Schnorchel-ausrüstung zum ersten mal ausprobierten.

Abgebildet ist eine Bucht ohne Bedeutung auf dem Weg zum Schnorcheln, aber sie veranschaulicht die Farbpracht, die uns auf den Inseln erwartete. Nur zur Info, keines der Fotos ist bearbeitet!

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Unsere erste Begegnung auf den Inseln:

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Abgebildet sind der wahrscheinlich bekannteste Naturforscher, auf dessen Entdeckungen unsere heutige Biologie basiert, Patrick, Irina und Charles Darwin in Übergröße.

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Endlich in der Bucht angekommen wurden nicht nur Brillen, sondern auch die neu erworbene GoPro Unterwasserkamera ausprobiert! Das Ergebnis ist oben zu sehen.

Am nächsten Tag ging es dann im Pick-Up Taxi die einzige Straße entlang einmal quer von Puerto Baquerizo Moreno (der einzigen richtigen Stadt im Süd- Osten) bis an die Ostküste der Insel, auf der es wohl viel zu sehen gibt! 🙂

Als erstes auf dem Programm stand eine Lagune im bergigen Teil der Insel, die für ihren atemberaubenden Ausblick bekannt ist. Seht selbst:

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Ein Spektakel weißen Nebels bot sich unseren ungläubigen Augen, die fest fixiert in die unendliche Weite dieser wunderschönen Lagune starrten!

Ab zum nächsten Highlight:

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Was aussieht wie Schildkrötenrennen (Michael Vicks neuer, weitaus humaneren Freizeitbeschäftigung) ist ein Reservat für Landschildkröten, welches mir zuerst einmal gründlich missfiel. Weswegen?

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Meine leicht neurotischen Zwänge erlaubten mir es nicht, an diesem Brett vorbeizulaufen, ohne in abgebildeten Gesichtsausdruck zu verfallen. (Zusätzlich wurden starke Transpiration, Schnappatmung und schneller Puls festgestellt.)

Jedoch war der Zwischenfall schnell vergessen, da ich meiner ersten Landschildkröte in großer Ausführung begegnete und (offensichtlich) die komplette Talentfreiheit zum einfachen Zusammenschreinern gleichmäßiger Holzbretter erdrängen konnte.
.
.
.
…eine Aufgabe, die meine Drittklässler besser hinbekommen hätten (und zwar ohne Säge, aber gut lassen wir das, ich krieg schon wieder hohen Blutdruck)

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Was braucht ein Mensch mehr zum glücklich sein?!

Abgeschlossen wurde unser erstes Abenteuer an einem Strand namens Puerto Chino, den ich auch rückblickend als einen der schönsten der Galápagos Inseln empfinde:

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Got a little Captain in you?

Und zum Abschluss noch einmal der gleiche Ausblick, aber mit dem Beweis, dass ich gelernt habe, einen halbwegs soliden Handstand hinzubekommen.

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Ich hoffe, es gab viel zu sehen für euch auf den Bildern einer Insel, auf der es viel zu sehen gibt; bis die Tage mit neuen Fotos (und Handständen).

Saludos
Nicolas

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El Bervo „to ve“

Lasst mich ohne große Umschweife die Struktur, den Blueprint, die Basis, die Essenz des folgenden Blogeintrags erklären: Es gibt keine!

Ich versuche euch, auch wenn ich weiß, dass dies eigentlich unmöglich ist, die vielen kleinen Dinge des Lebens, der Kultur, der Menschen und der Begegnungen in Ecuador näherzubringen, die mich so faszinieren. Denn ich denke, sagen zu können, dass es neben vielen großen Einschnitten und neuen Erfahrungen gerade diese subtilen Beeinflussungen sind, die mich als jungen, erfahrungsfreudigen Menschen prägen. Klingt alles sehr tief, guckt einfach im August und entscheidet selbst, ob und wie ich mich verändert habe.

Natürlich ist mir bewusst, dass ich mit Erzählungen meiner Reisen hinterherhinke (vielleicht ein Indiz für zu viel Freizeit) und ich hätte mir 5 Sekunden nach dem Hochladen meines neuen „Profilbilds“ bei Facebook in den Hintern beißen können, als mir bewusst wurde, dass nun jeder spannende Geschichten meiner Galápagos Erfahrungen erwartet. Lasst mich, als Kind zweier waschechten Juristen, versuchen, mich aus dieser Situation herauszureden (eine Gabe, die mir in die Wiege gelegt wurde und welche ich perfekt beherrsche): Ich…ähh… also… die Schildkröte …das war so…uhhh…das bin gar nicht ich!

Wen ich damit nicht überzeugt habe: Bitte wenigstens das doofe Bild liken, damit jeder sieht, wie cool ich bin und wie viele Freunde ich habe, danke schön!

Und ja, als Belohnung gibt es in näherer Zukunft Updates zu meiner Reise ins Paradies!

Also, zurück zum nichtvorhandenen Thema:

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was ich alles erlebt habe, und was mich in so vielen Hinsichten erstaunt, verwundert oder begeistert hat. Oftmals sind es auch nur kurze Momente, in denen man sich selbst denkt: Wieso ist es hier so anders als in Deutschland? und die man sehr schnell wieder vergisst. Insofern möchte ich gerne nur auf ein paar Beispiele zurückgreifen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Und eins davon findet sich im Titel wieder.

Wer schon einmal versucht hat, Spanisch zu lernen, dem ist sicherlich aufgefallen, dass man als Anfänger große Schwierigkeiten hat, die minimale Differenz zwischen den häufig benutzen und oftmals genuschelten Konsonanten „B“ und „v“ zu erkennen. Als nun (nach Selbsteinschätzung) fortgeschrittener „Hispanohablante“ habe auch ich immer noch meine Problemchen mit der Unterscheidung, bin nun aber endlich auf die einfache, von schlauen Muttersprachlern und fließend spanischsprechenden Personen angewendete Lösung des Problems gekommen: Eben jene minimale Differenz wird gekonnt ignoriert.

Dies mag im ersten Moment stupide und im zweiten sehr schlau erscheinen, kann aber einen Englischlehrer zur Weißglut bringen, da seine Schüler (immer um Problemlösungen mit wenig Arbeitsaufwand bemüht) diese Regel wie selbstverständlich auf das Englische ausweiten.

So können meine Sechstklässler mittlerweile ohne Probleme alle Formen Von „I am“ bis „They are“ fast ohne Probleme konjugieren und sind außer Rand und Band, dass die das schwierige „Bervo to ve“ gemeistert haben.

Dies klingt zwar alles sehr lustig, doch hat mir gezeigt, wie selbstverständlich für uns Deutsche Bildung und Kenntnis der Muttersprache sind. Wird in Hamburg schon der arme bayerische Junge ausgelacht, wenn er beim Bäcker Semmeln statt Brötchen bestellt, fällt es nicht einmal den Lehrern auf, wenn die Schüler „Bamos“ an die Tafel schreiben. (Anm.d.Red. Vamos: Wir gehen)

Wehe dem, der in Deutschland Dativ und Genitiv verwechselt (ein Streitpunkt, der sogar für Bestseller in der Literatur sorgte), während der Sportlehrer in Atacames sich nicht sicher ist, ob er bei der Eintragung der Jungs-Teams für das Fußballturnier „Varón“ (Mann) mit B oder mit V schreiben soll.

Solche und viele andere Momente haben mir gezeigt, wie selbstverständlich für uns Deutsche ein hohes Niveau unserer Sprache ist. Versteht mich nicht falsch, das ist ein absolut positives Zeichen der deutschen Bildung. Was jedoch in meinen Augen eher negativ auffällt, ist, dass sich bestimmt nur wenige Leute in Deutschland Gedanken über diese Missstände in anderen Ländern gemacht haben. Habe ich Recht?

Ein anderes Beispiel, welches ich wahrscheinlich nie vergessen werde, ereignete sich in der Pause vor einer Doppelstunde mit meiner vierten Klasse, als ich Luís „Lucho“, einen eher aufgedrehten und störenden Schüler, am Essensstand ermahnte, es solle sich beeilen, in den Englischunterricht zu kommen. Nun ist es wichtig zu wissen, dass meine Schüler aus sehr armen Verhältnissen stammen und zum Beispiel der Verlust eines Bleistifts (der 30 cent kostet) den Weltuntergang und Ärger zu Hause bedeuten kann.

Ich begab mich also in die Klasse, bereit, Lucho eine Standpauke über Verspätungen zu halten, als zwei Minuten später eben dieser 8 jährige Junge vor mir stand sich vielmals entschuldigte, dass er zu spät war, und mir ein Eis in die Hand drückte.

Natürlich kann man jetzt denken, dass dies Schleimerei im Sinne des Eigenschutzes war, jedoch müsst ihr euch vorstellen, wie wertvoll so ein Eis für die meisten meiner Schüler ist. Diese 25 cent wären für Lucho zwei Busfahrten gewesen oder einmal Mittagessen in Form von preiswerten Früchten.

Mir ist bewusst, dass euch das alles eventuell ein bisschen überspitzt erscheint, jedoch möchte ich nur zeigen, was ich an dieser Kultur so liebe, und wofür diese Situation nur eines vieler Beispiele ist:

Die Menschen haben wenig und teilen es trotzdem.

Es ist meiner Meinung  nach das genaue Gegenteil der Einstellung vieler Deutscher. Wann habt ihr das letzte Mal einem Obdachlosen euer Kleingeld gegeben oder dem Musikanten in der U-Bahn wenigstens applaudiert? Und ich versichere euch, dass 25 cent meinen Schülern wichtiger sind, als dem Hauptteil der deutschen Bevölkerung.

Es wird mehr auf den anderen geachtet und ein bisschen weniger an sich selbst gedacht, ein Attribut, welches vielen Menschen in reicheren Kreisen auch gut tun würde!

Schlussendlich ist es die Gastfreundschaft, die ich immer wieder zu spüren bekomme, welche ich immer mit Ecuador und seinen Menschen verbinden werde. Dies mag zum Teil daran liegen, dass ein weißer Jugendlicher erst einmal für viele Einheimische spannend wirkt, (es weiß ja niemand, dass ich derjenige bin) es liegt aber meines Erachtens einfach an der Offenheit der meisten Menschen in diesem Land.

Ich habe in meinen knapp sieben Monaten hier wahrscheinlich mehr Gespräche in Bussen geführt, als davor in meinem ganzen Leben. Nun wird dies in Deutschland oftmals durch Smartphones und iPod Musik verhindert und auch darüber gibt es ja schon Debatten, doch ich kann euch versichern, dass es wohl eher an der Motivation der Leute (oder eben am Fehlen besagter) liegt.

Denn auch ich bin stolzer Besitzer eines „HTC Desire Z“ Smartphones, welches durchaus in der Lage ist, ziemlich laute Musik auf meine „geräuschisolierenden Over-Ear Kopfhörer“ zu übertragen und ich sage euch:

Es hat alles keinen Sinn! Ich bewundere die Hartnäckigkeit vieler Ecuadorianer, die sich neben mich setzen, um Konversation zu führen und auch die Ausdauer, mit welcher sie immer wieder auf meine Schulter klopfen, da ihnen meine Zwei-Satz-Antworten auf Fragen zum Wetter, den Frauen oder der Arbeit nicht genügen.

So kommt es eigentlich jedes Mal zum unausweichlichen Schluss, dass ich meine „geräuschisolierenden Over-Ear Kopfhörer“ in meinen Rucksack packe und mein Spanisch verbessere, durch nicht endende Gespräche über zuerst banal erscheinende Dinge. Jedoch zeigt sich immer, wie glücklich es die Leute macht, mir etwas von ihrem Leben und ihrem Land erzählen zu können, und in den meisten Fällen bereue ich es nicht, auf meine Musik verzichtet zu haben.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich wirklich hoffe, niemandem in Deutschland zu Nahe getreten zu sein, und dass ich weiß, dass viele Dinge einfach kulturbedingt sind, und ich nun gerade einmal in einer anderen Kultur zu Hause bin. Denkt einfach noch einmal über die genannten Punkte nach, oder noch besser: macht eine Ecuador Reise und vergleicht selbst! J

Ich melde mich bald wieder mit mehr Fotos und weniger Text und hoffe, dass auch ihr meine Erzählungen eurer Musik auf „geräuschisolierenden Over-Ear Kopfhörern“ vorgezogen habt.

Passt auf euch auf und vis vald. – Cuídense y hasta luego.

Nicolas

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Victoria Vasquez Zuniga

Hola amigos,

zuerst einmal möchte ich mich bei allen entschuldigen, die die letzten Monate gespannt auf weitere Berichte gewartet haben. Teils ist dies auf die allseits bekannte Schreibblockade zurückzuführen, jedoch ist der Hauptgrund in meiner Alltagsroutine zu finden, die es mir erschwert hat, einen Eintrag zu verfassen, und welche ich nun endlich einmal niederschreiben und veröffentlichen will.

Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen generellen Text über das Schulsystem hier in Ecuador schreiben will, oder ob ich mir einen Beispieltag aus meinem Leben aussuche, um darzustellen, wie das Schulleben hier so abläuft. Da ich mich immer noch nicht entscheiden konnt,e wird es wohl zwangsläufig auf beides hinauslaufen.

Also zuerst zu meinem Stundenplan, er ist überschaulich aber unregelmäßig und während es Tage gibt, an denen ich nur eine Doppelstunde habe, bin ich an andern den ganzen Tag in meinem Projekt. Das Erfreuliche ist, dass ich nur zweimal pro Woche zur ersten Stunde um 7:30 in der Schule sein muss (was eine kalte Dusche um 6:45 als Voraussetzung hat) und die andern drei Tage bis acht oder neun ausschlafen kann.
Ich begebe mich also zu unterschiedlichen Zeiten mit dem Bus in meine Schule und bleibe dort bis um eins, wenn alle Schüler (600 bis hoch zur 10. Klasse) spätestens Schulschluss haben. Schon hier ist eine etwas gemütlichere Arbeitsmoral im Vergleich zu deutschen Schulen zu erahnen.

Insofern war ich sehr überrascht, als man mir sagte, dass alle Lehrer mindestens 30 Stunden pro Woche arbeiten müssen – so will es Präsident Correa – und jeden Tag bis um 15 Uhr in der Schule bleiben. Jedoch habe ich mittlerweile herausgefunden, dass nach 13 Uhr, wenn ich nach Hause zu meinem Fisch auf Reisbergen trotte, nur noch die nächsten Stunden geplant werden und dann im Kollegium Mittaggegessen wird – aber das muss der Staat ja nicht wissen.

Auch treffe ich manche der anderen 20 Lehrerinnen und 3 Lehrern meistens in unserem Lehrerzimmer/Sekretariat/Direktionat/Pausenaufenthaltsraum für Schüler an, wenn sie in ihren vielzähligen Freistunden den einzigen funktionierenden Computer umscharen um die Welt über Facebook an ihrem Leben und das restliche Kollegium über die Lautsprecher an ihrem Musikgeschmack teilhaben zu lassen.

Spätestens seit unserem Karaoke Nachmittag am letzten Tag vor den Weihnachtsferien, an dem ich mir als einziger männlicher Begleiter mit 15 Lehrerinnen in einer Strandbar fünf Stunden lang die Seele aus dem Leib gebrüllt habe, habe ich zu den meisten nun einen Superdraht und echt Glück gehabt, mit meinen Mitstreitern im Kampf gegen Undiszipliniertheit, Faulheit und Zuspätkommen. Natürlich kennt jeder noch aus seiner Schulzeit diesen einen Lehrer oder diese eine Lehrerin, den man einfach nur hassen kann und ich kann euch versichern, solche Person gibt es auch hier im Kollegium und sie ist als Kollege eigentlich noch anstrengender als früher die Lehrer.

Wie dem auch sei, ich bin also gut integriert in meinem Projekt und gebe mein Bestes, meinen 244 Schülern von Klasse 3 bis 6 Englisch beizubringen. Dies läuft an manchen Tagen besser und an anderen nicht ganz so gut. Natürlich wurde uns allem im Vorhinein gesagt, dass man sich Respekt verschaffen muss, jedoch ist dies leichter gesagt als getan.

Ich kann hier nur für mein Projekt und aus meinen Erfahrungen sprechen, aber ich persönlich bin mit der „Bestrafungsschiene“ (Du kommst zur Direktion, mehr Hausaufgaben, null Punkte) nicht glücklich geworden, weil es die meisten Schüler nicht mal wirklich einschüchtert sich vor Sandra, unserer Direktorin zu rechtfertigen. Deswegen bin ich nach zugegebenermaßen harten Wochen auf die Motivationsstrategie umgestiegen, die in dieser Schule definitiv besser funktioniert. Soll heißen, ich bin nun der beste Freund aller Schüler, darf nur die Klasse verlassen, nachdem ich alle mit Handschlag verabschiedet habe und muss mir des Öfteren überwältigende Gruppenumarmungen gefallen lassen. Man sollte meinen, alles ist perfekt, doch der Schein trügt, denn sobald die Stundensirene (die an Bombenwarnungen erinnern lässt) ertönt sind die meisten Freundschaften vergessen und es heißt wieder Lehrer gegen Schüler. Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel darin, die ganze Klasse am Anfang der Stunde für sich zu gewinnen, mit einem kleinen Spiel oder wenigstens mit einem geplanten Stundenanfang, denn hat man die Aufmerksamkeit einmal verloren, herrscht pures Chaos.

Deswegen ist meine Unterrichtsplanung zuhause auch genauso wichtig, wie die Stunden selbst und ich verbringe täglich nochmal mindestens eine Stunde mit Benotung und Vorbereitung. Speziell die Benotung nimmt viel Zeit in Kauf, da unter dem neu eingeführten System jeder meiner 244 Schüler pro Parcial (es gibt 3 in einem Halbjahr!) fünf Noten eingetragen bekommen muss. Je eine für Hausaufgaben, Gruppenarbeit, mündliche Beteiligung, schriftliche Lektionen und den abschließenden Test. Ob diese Strategie wirklich so sinnvoll ist, wie von der Regierung versichert, ist meiner Meinung nach fraglich, weil wirklich alles und jedes benotet wird und man kaum Zeit hat, mal eine Stunde entspannter zu gestalten.
Dies hat aber natürlich auch damit zu tun, dass die Schüler nur 2 Stunden Englischunterricht pro Woche haben.

Zusätzlicher Fehler im System ist eindeutig die Einstellung der Lehrer. Das System ist darauf ausgerichtet, den Schülern durch viele Noten und einer recht anspruchsvollen Messlatte von mindestens 7 von 10 möglichen Punkten als Voraussetzung zur Klassenversetzung, ein wenig Leistungsdruck beizubringen. Jedoch wird dies von der Einstellung vieler Lehrer direkt wieder zunichte gemacht.
da ein durchfallender Schüler für den zuständigen Lehrer mehr Arbeit bedeutet (in den Ferien müssen Nachprüfungen geschrieben werden) ist es im Interesse des betroffenen Kollegen, möglichst viele seiner Schüler mit mehr als 7 Punkten zu beglücken. Wird dies durch Leistungen nicht erreicht findet der Lehrer oft Möglichkeiten, die erbrachte Leistung doch noch als zufriedenstellend anzusehen. So ist natürlich der „Druck-Faktor“ kein wirklicher Anreiz für die Schüler, mehr zu lernen, da sie wissen, dass die Lehrer das schon irgendwie regeln.
Dementsprechend entgeistert, verwirrt und sauer waren die Gesichter dann auch, als es bei „Teacher Nicolas“ den Vokabeltest mit einem Durchschnitt von 4,9 Punkten zurückgegeben wurde.

Da ich selbst merke, dass dieser Eintrag im Vergleich zu den vorherigen ein wenig langweiliger und unausgeschmückter geschrieben ist, möchte ich es erstmal hierbei belassen. Aber was erwartet ihr, wann war Schulalltag schon einmal spannend 😉 Abschließend möchte ich euch zum ersten Mal ein paar Impressionen meiner Schule, der „Escuela Victoria vasquez Zuniga“ und ihren Schülern, Lehrern und Räumlichkeiten geben.

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Profesoras Consuelo y Maria

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ich mit meiner 4ten Klasse

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Thema des 3. Parcials

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Devils in Disguise 😉

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Regenzeit –> Schlamm

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Directora Sandra (rechts) im Lehrerzimmer

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Und das geht noch unordentlicher…

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El verbo „to be“ in meiner 6. Klasse

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Musterschüler Felipe!

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Mateo auf die Frage, wie es ihm während des Examens ging! 🙂

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Profe Nicolas nach getaner Arbeit

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Und abschliessend für alle, die den Film Vorbilder (Rolemodels) kennen präsentiere ich: Ruben (links), den Doppelgänger von Ronnie, und Luis Agustin (rechts)

In nächster Zeit wird es wieder mehr Updates von mir geben, mit viel Glück sogar wieder mit mehr Witz geschrieben, aber das Leben ist ja kein Ponyhof (B. Stromberg) insofern müssen auch nüchternere Einträge dieses Jahr meine Blogseite füllen.

Ich wünsche euch außerdem nachträglich ein frohes neues Jahr und werde euch demnächst auch von meinem hier in Ecuador berichte, ob ihrs um Ostern rum noch hören wollt oder nicht 😉

Ganz liebe Grüße y saludos a todos aus Atacames

Euer Nicolas

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Die letzten Tage

Mit ein bisschen Verspätung hier der Abschluss meiner Reise.

07.10.2013

Wir haben immer noch nicht genug von der Natur und begeben uns morgens auf die andere Seite des Parks, in die Amazonas Region. Hier erwartet und zwar derselbe Park, jedoch eine komplett andere Erfahrung. Dies hat zu tun mit der Anfahrt im Taxi, einer komplett anderen Vegetation und der Tatsache, dass wir dieses mal 6 Minuten und nicht 6 Stunden brauchen, um den Eingang zu finden.

Wir betreten den Park und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Blick, der sich uns hier bietet ist für uns deutsche kaum verständlich und einfach nur filmreif. Es ist schwierig zu begreifen, dass die Natur hier nicht wie in vielen Parks in Europa angelegt ist, sondern seit Jahrtausenden vor sich hinwächst. Auch brauchen wir einige Minuten um zu verstehen, dass die zwar bekannten Dschungelgeräusche  diesmal nicht aus den sonst aufgestellten Lautsprechern in Zoogehegen dröhnen, sondern, dass alles echt ist.

Hier nur ein paar Eindrücke von Flora und Fauna und natürlich kommt auf den Fotos nichts so rüber wie ich es gerne hätte.

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Meine erste Ananass Planze!

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Wir laufen circa 15 Minuten, bis wir zum ersten Wasserfall des Tages kommen, wo wir auch erstmal eine halbe Stunde Pause machen  um zu essen, Fotos zu machen und in meinem Fall von einer Afrikanischen Wespe gestochen zu werden.

Wieso ich das gemacht habe, ach ich weiß auch nicht, ich wollte wohl einfach wieder ein bisschen Abwechslung in den Tag bringen, weil ich ja gestern schon einen Wasserfall gesehen hatte.

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Ich kann euch sagen, dass so ein Stich höllisch wehtut und ich sehr froh bin, erst im Nachhinein, nämlich als 5 Stunden später Patrick auch noch gestochen wurde, erfahren zu haben, dass Stiche dieses Teufelsgeschöpfes in Menge wohl der Gesundheit nicht allzu zuträglich sein sollen.

Passend an dem Tag meines Lebens, an dem ich meinen Kopf am meisten gedreht habe, weil man überall im Dschungel Dinge entdecken kann, hat mich das Mistvieh natürlich in den  Nacken gestochen und ich habe die nächsten Stunden (und Tage) eine schöne Erinnerung.

Wir machen uns auf einen 30 Minuten Marsch bis zu einer Hängebrücke und als wir ankommen, hat es angefangen zu schütten und das ganze ähnelt bedenklich stark einer Jurassic Park Szene:

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Auf dem Rückweg begegnet uns dann das eigentliche Highlight in Form eines freilebenden Gürteltiers, das uns über den Weg rennt.

Zuerst habe ich mich geärgert, dass wir alle so sehr in Staunen versetzt waren, dass niemand daran gedacht hat, ein Foto zu machen, doch in Nachhinein bin ich stolz auf mich und meine Freunde nicht das Vorurteil  unserer Generation  erfüllt zu haben, von allem und jedem Fotos zumachen anstatt den Moment zu genießen.

Ich sage euch: ich habe genossen ohne Ende, dafür kriegt ihr nix zu sehen!

08.10.2013

Wir kommen nach einer weiteren Nacht im Bus, besser gesagt in 3 verschiedenen Bussen, morgens in Puyo an, und machen uns auf, den örtlichen Zoo zu besuchen, wo wir Vera treffen, die in Puyo ein Jahr zuhause ist.

Hier ein paar Eindrücke.

DSCN2434 DSCN2439 DSCN2444 Wieder ist das eigentliche Highlight nicht abgebildet, diesmal, weil die einzige Kamera zu früh ihren Geist aufgegeben hat.

Wir lernen einen Arbeiter des Zoos kennen und Patrick und ich fragen natürlich sofort, ob wir die Tiere mit ihm füttern dürfen. Si, claro!

Womit wir nicht gerechnet hatte, ist, dass wir wenig später jeder einen abgehakten Kuh Kopf in die Puma und Jaguar Gehege schleppen, wo die Raubkatzen dann über den trüb und tot dreinblickenden Schädel herfallen. Sicher bin ich mir nicht aber ich glaube, die Kuh hat mich zwischen den Zähnen des Jaguars noch einmal sehr vorwurfsvoll angeguckt.

Danach treffen wir noch auch andere Freiwillige aus Australien und den USA und spielen mit Ihnen gegen Einheimische Jungs auf einem Fußballplatz, der moderner ist, als die meisten in Deutschland und wahrscheinlich das doppelte des restlichen Dorfes kostet bestimmt 2 Stunden in der prallen Sonne.

Abends gehen wir dann los ein Bier trinken und geraten in einen der heftigsten Regengüsse meines Lebens, welche aber alltäglich im Amazonasgebiet sind. Klitschnass zuhause angekommen stelle ich fest, dass das Fenster, welches sich 30 cm von meinem Bett entfernt befindet, nicht wirklich wasserdicht ist und  ich kann nur mit Mühe meinen Reiserucksack vor meinem persönlichen Zimmerspringbrunnen retten.

09.10.2013

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Eigentlich ist dieses Bild die beste Möglichkeit, meine Gefühle des heutigen Tages zu übermitteln, deswegen bitte ich euch, euch in genau diese Situation zu versetzen.
Außer meine Mama, die ich mit dem Bild wahrscheinlich schon mit Herzproblemen ins Krankenhaus gebracht habe.

Wir begeben uns auf eine indigene Tour mit Führer… und Schweizer Touristen. Zuerst Kanu fahren im Fluss, dann regionales Mittagessen, bevor man sich bei eben jener Aussicht auf die Schaukel schwingen darf. Abschließend besuchen wir noch ein indigenes Dorf in dem uns alles Mögliche über Ursprünglichkeit, die indigene Sprache Kichwa und Gesichtsmalerei beigebracht wird.

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Abgesehen davon, dass ich abends mit Fieber im Bett liege ist dieser Tag mal wieder unvergesslich und wird noch in vielen Jahren für schönen Erzählstoff sorgen!

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Wasser und Erde

05.10.2013

Unsere Gruppe trennt sich mal wieder, diesmal aber nur für einen Tagesausflug. Irina und Kathrin wollen zu einer Quelle laufen, deren Wasser ein gesünderes und längeres Leben verspricht. Maike, Chiara, Patrick und ich beschließen, dass wir gesund genug sind und ja nicht länger als nötig leben wollen und machen uns auf, einen Wasserfall zu suchen.

Uns packt auf dem Weg die Abenteuer Lust und wir entscheiden uns kurzerhand, nicht auf dem Wanderweg zu laufen, sondern den Flusslauf entlang auf Steinen hin und herzuspringen. Das macht natürlich das Fortbewegen geringfügig langsamer, aber dafür auch viel spannender.

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leicht unentspanntes Lilianenschwingen

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Ziel der Reise ist, dass die Schuhe trocken bleiben und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir alle kläglich versagt haben.

Jedoch nicht so kläglich wie Irina und Kathrin, die auf einmal unseren Weg kreuzen. Beziehungsweise von hinten an uns ran gestampft kommen.
Wieso sind sie so viel schneller? Kann es schon die Wirkung der Quelle des gesünderen Lebens sein? Vielleicht auch, aber die Tatsache, dass sie ihre Schuhe komplett aufgegeben haben und einfach nur den Fluss hinaufmarschieren hat bestimmt auch etwas damit zu tun.

Bis heut weiß niemand, wie Die beiden von ihrer Quelle in unseren Fluss gestolpert sind, da wir uns zwei Stunden zuvor an einer Kreuzung in komplett Entgegengesetzte Richtung getrennt hatten. Ist eigentlich auch egal, denn ohne Rücksicht auf Verluste stampfen die beiden weiter und lassen uns im Wasser stehen.

Unserer eher auf Filigranität gepolte Vierergruppe lässt sich durch diesen herben Rückschlag auf der Suche nach dem Wasserfall aber keinesfalls entmutigen, läuft noch 15 Minuten weiter und macht erst einmal Pause um zu essen, das soll auch für ein längeres Leben sorgen.

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Ratlosigkeit, Übermut und Glück waren unsere ständigen Begleiter

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Hier beschließen wir auch nach 3 Stunden Flussakrobatik, dass es Zeit ist umzudrehen, weil die Sonne in weiteren 3 Stunden untergehen wird. Geschlagen aber mit erhobenem Haupt begeben wir uns an ein Flussufer und schlagen uns nun durch die Natur zurück.

Doch unsere Abenteuerlust ist noch nicht gestillt und wir beschließen auf einen Bergkamm zu klettern um von dort aus das Tal überblicken zu können. Dort finden wir dann eine Stelle, die in der Regenzeit im Winter bei mehr Wasser definitiv auch ein Wasserfall sein wird und erklären unser Ziel doch noch für erreicht, genießen unsere imaginäre Siegesdusche unter dem Wasserfall und machen uns kletternd, rutschend und fallend auf den Heimweg.

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Blick vom Bergkamm

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Wasserfall gefunden 😉

Rückblickend kann ich sagen, dass dies einer der anstrengenderen Tage war, mir persönlich jedoch als einer der schönsten in Erinnerung bleibt, einfach weil es eine komplett andere Erfahrung war, als immer nur das Programm eines Reiseführers durchzuziehen.

06.10.2013

Frohen Mutes und guter Laune, weil wir Patrick und Chiara zurückhaben, machen wir uns auf in den Parque Nacional Podocarpus zu laufen. Dieser ist so groß, dass er sich sowohl in der Andenregion, als auch im Amazonasgebiet Ecuadors erstreckt und sogar 2 Eingänge hat… Trotzdem werden wir es schaffen ihn nicht zu finden!

Das wissen wir morgens natürlich noch nicht und laufen los, in der festen Überzeugung, in 90 Minuten vor dem Eingang zu stehen. Wir runden diese Schätzung auf zwei Stunden auf, als der Berg, auf dem der ausgeschilderte Weg verläuft eine Steigung über X aufweist. Das klingt jetzt sehr schlau und abstrakt, aber ich möchte es nochmal veranschaulichen: Jedes einzelnen Meter, den ich vorankrieche, muss ich mich mehr als einen Meter nach oben schleppen; das sind mehr als 45 Grad; das ist pure Quälerei; das ist Menschenunwürdig. Ich beginne den Park zu hassen, bevor ich da bin.

Patrick und ich, ein Stück vor den anderen, stoßen irgendwann auf eine Gabelung und ohne lange nachzudenken nehmen wir den rechten weg, weil der linke von einem geschlossenen Tor versperrt wird. Das brüllen wir den Mädels hinter uns auch noch zu, sozial und aufmerksam wie wir sind…und stürzen uns alle damit ins Verderben!

5 Stunden später stehen wir wieder vor dem Tor (Irina und Kathrin haben bereits umgedreht und dürfen gerade im Hostel heiß duschen), diesmal mit dem wWen, dass dies der Eingang zum Nationalpark ist, einzig und allein gekennzeichnet durch einen roten Pfeil auf einem Stein, den wir beim ersten Mal alle nicht gesehen haben.

Was passierte in der Zwischenzeit:

Wir haben uns 3 Stunden lang den Berg bis zu seiner Spitze hochgekämpft, bis wir alle akzeptiert hatten, dass dies wohl nicht der richtige Weg sei. Ganz oben fing es dann auch pünktlich an zu regnen und wurde richtig kalt. Als Chiaras Hände und Beine anfingen sich blau zu verfärben, dachten wir uns, dass Umdrehen vielleicht keine schlechte Idee wäre.
Gestartet war ich in den Tag mit einem langärmligen T-shirt und einer Jogging Hose und an diesem Punkt musste ich diese dann aus verständlichen Gründen an Chiara abtreten.

Ich fühlte mich bestimmt 10 Sekunden lang als Held und Retter eines Menschenlebens und dann begann ich meinen Abstieg in Hotpants und Bluse, was mein Held und Retter Gefühl ein wenig beeinträchtigte!

Zu allem Überfluss trafen wir dann auch noch zum ersten Mal an diesem Tag auf Menschen, die sich aber nichts anmerken ließen oder bereits an Touris in Frauenkleidung gewöhnt sind, und uns über den eigentlichen Eingang  des Parks aufklärten. Mein Ansehen als Held, zusammen mit dem von Patrick, sank in diesem Moment noch weiter.

Wir stehen also zum zweiten Mal vor dem Tor, nach mehr fast sechs Stunden Wanderung und sind alle zu stur, jetzt einfach nach Hause zu gehen.

Uns wurde gesagt, dass ein wunderschöner Wasserfall nur 45 Minuten weit weg ist und wir beschließen, den Kampf Mann gegen Natur in die nächste Runde zu führen.

Es wurden mehr als eine Stunde auf Hin und Rückweg, aber ich bin bis jetzt froh, die Mühen auf mich genommen zu haben. Alle Fotos dieses Tages, die ihr hier seht, wurden in den letzten 2 ½ Stunden aufgenommen und zeigen hoffentlich, wie wir uns nach 8 Stunden Kampf mit dem Berg gefühlt haben!

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Nach zwischenzeitlichem Regen kam zum Schluss dann nochmal die Sonne raus

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Tarzan links, klein im Bild

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Nach 7 Stunden endlich am Ziel angekommen!

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8 Stunden haben sich allein für diesen Moment gelohnt

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Jesus Christus, Mark Anthony und Juan-Carlos

3.10.2013

Als sich die kurzen roten Haare auch nach der zweiten Nacht nicht als böser Traum entpuppt haben, suche ich mit den anderen Rat und Hilfe in einer Kirche in der Stadt Loja, die (wie eigentlich alle in Ecuador) zwar sehr schön gebaut, jedoch fürchterlich kitschig eingerichtet ist.

Nach wenigen Minuten des Gottesdienstes (in den wir zufällig hineinplatzen) wird mir klar, dass das Wort Gottes zwar allmächtig, jedoch nicht unbedingt allverständlich ist. Wieder einmal denke ich mir wie schön es wäre, fließend die Landesprache sprechen zu können.

Während also die Predigt so vor sich hin plätschert , schiele ich hoch zu Jesus am Kreuz, der im Sekundentakt abwechselnd rot und blau angestrahlt wird und freue mich, dass in diesem Licht seine Haare wahrscheinlich genauso, wenn nicht noch idiotischer aussehen als meine. Leise Hoffnung steigt in mir auf, dass mir die Leute in 2000 Jahren vielleicht auch huldigen werden.

In den nächsten Stunden schlendern wir durch die Stadt und ich merke, dass ich mich schon in gewisser Weise an die ecuadorianische Kultur gewöhnt habe, denn als ich in einen europäisch gestylten Laden trete, fühle ich mich wie in einer anderen Welt, komplett fehl am Platz und beim näheren Betrachten des Preises eines 40 Dollar T-Shirts bedenklich geizig und von ecuadorianischen Preisen verwöhnt.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen essen wir in einem italienischen Restaurant zu Abend und ich esse mit meiner 6 Dollar Lasagne mein teuerstes Abendessen in Ecuador bis jetzt.

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In der Mitte die beiden Kirchtürme von rot-blau-Jesus

Andere Fundstücke aus Loja… eine wahre Goldgrube der englischen Sprache

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Der einzigartige Chessburguer, bekannt für seinen schachermattenden Käse

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Nichts geht über ein Workout im Golden Dregon!

04.10.2013

Wir besuchen einen botanischen Garten und nach der Bewunderung vieler unbekannter Pflanzen verbringen wir eine knappe Stunde damit, Irinas Handy zu verstecken, es anzurufen und in einem eins-gegen-eins Wettkampf dem Klingelton hinterherzurennen und sich darum zu prügeln, wer es zuerst findet. Der eigentliche Reiz dieses Spiels ist, dass und der Klingelton „Vivir mi Vida“ von Mark Anthony uns hier jeden Tag verfolgt, und uns ziemlich auf die Nerven geht. Für alle, die sich nicht vorstellen können, wovon ich rede, macht dieses Lied zu eurem Wecker oder hört es so wie ich JEDEN Tag im Bus auf dem Weg zur schule…und schreibt mir in 4 Wochen eure Gedanken.

Wir fahren weiter in die kleine Stadt Vilcamamba, wo wir zuerst durch einen kalten Fluss latschen bis es langweilig wird (viertel Stunde) und uns dann in einem Schwimmbad eines Hostels einfinden, in dem wir zwar nicht nächtigen, aber für 2 Dollar Zutritt zu Pool, Jacuzzi und Schaumbad haben und einen Drink aufs Haus bekommen. Wäre der Drink beinhaltet gewesen, wenn ich nicht mit 3 Mädels im Bikini unterwegs gewesen wäre sondern zum Beispiel den 3 Jungs von Interrail…wahrscheinlich nicht.

Dort treffen wir wenig später auch auf Juan-Carlos und seine Freunde, die, wie wir herausfinden, alle Teil einer professionellen Tanzgruppe sind. Wir kommen sehr schnell ins Gespräch und ich bezweifele wieder, dass das an mir oder meiner coolen Badehose liegt. Trotzdem sind alle wirklich nett und vor allem sind auch Mädchendabei, das heißt ich habe jemanden zum Reden, während sich die Jungs um Maike , Kathrin und Irina scharren.  Eines der Mädchen gibt mir dann auch die Inspiration für den Namen meiner Erstgeborenen.
An meine Zukünftige Frau: Schatz, ich werde alles tun, was du sagst, auch Badputzen und abwaschen, aber unsere Tochter heißt…Lady!
Schlicht und feminin gehalten übermittelt dieser Name doch Zuneigung und Liebe und bleibt trotzdem unnahbar und distanziert.

Die Gruppe fährt uns dann sogar ins Hostel und wir verabreden uns mit ihnen für abends, um Vilcabamba unsicher zu machen.

Wir treffen uns auf dem einzigen Dorfplatz, und zuerst werde ich allein gelassen mit den drei  Jungs der Gruppe, weil es so üblich ist, dass zuerst alle Mädchen chauffiert werden.  Das Auto kommt 10 Minuten später zurück und fährt auch uns zur einzigen Dorfdisko, in der außer uns noch genau zweiMenschen sind. Der Barkeeper, der strahlt, weil er endlich Kundschaft wittert und nicht enttäuscht wird, und der DJ, der seinen eigenen Film schiebt und vor einer imaginären, tobenden Menschenmasse mit sehr viel Elan auflegt.

Das erste Bier ist noch sehr gemütlich und wir versuchen mit unserem Spanisch, die Unterhaltung am Laufen zu halten, doch da haben Lady und Juan-Carlos genug und ziehen ihre Gruppe und uns damit mit auf die leere Tanzfläche.
Was folgt ist die öffentliche Bloßstellung meiner und deutscher Tanzkultur. Es fällt mir immer noch schwer darüber zu schreiben, aber damit ihr ein Bild von der Szenerie bekommt, stellt euch jetzt unsere Gruppe in einem Kreis aufgestellt vor. Nun begibt sich reihum jeder einmal in die Mitte, um zu zeigen was er kann.
Ich rühme mich nicht, ein wirklich überdurchschnittlich guter Tänzer zu sein, doch bis jetzt habe ich mich immer damit gerühmt, kein überdurchschnittlich schlechter Tänzer zu sein.
Ich gehe nicht weiter auf die folgenden Minuten (gefühlten Stunden) ein, jedoch könnt ihr euch mit diesen Metaphern ein ganz gutes Bild machen:

  1. Mann auf Krücken im 100 Meter Olympia Finale
  2. Nichtschwimmer bei der Synchronschwimmweltmeisterschaft
  3. 3. Klässler bei der Diskussion über Quantenphysik
  4. Ein Blinder beim Tontaubenschießen
  5. Du selbst beim Armdrücken mit Hulk Hogan.

…Ihr versteht worauf ich hinaus will.

Irgendwann mussten/durften wir uns verabschieden, um Patrick und Chiara vom Busterminal abzuholen, da sie endlich wieder zu uns stoßen würden. Beim freudigen Begrüßungsumarmen wurde ich einmal mehr liebevoll daran erinnert, dass ich einen frisch gemähten Rasen auf dem Kopf habe.

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Aktion…Reaktion

01.10.13

Wir beginnen den Tag mit ein paar Stunden Schlaf in unserem Hostel, weil Nachtbusfahrten nur bedingt regenerierend sind und begeben uns danach an den Fluss, der durch die europäisch geprägte Stadt Cuenca fließt, nichtahnend, dass wir in wenigen Minuten eine von mir (damals noch) vielgefeierte, spontane Eingebung haben werden, die den so schön friedlich beginnenden Tag doch noch etwas durcheinander wirbelt.

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Zur Beruhigung: Die Farbe war nach 3 tagen draußen

Richtig, dies ist das Resultat dieser Eingebung und jetzt versteht ihr vielleicht auch, wieso ich sie vor der Ausführung ein wenig mehr gefeiert habe. Aber alles der Reihe nach.

Wir sitzen am Fluss und Maike eröffnet das Thema mit der halbspontanen Entscheidung, sich ein Tattoo stechen lassen zu wollen. Trotz aller Liebe zu Ecuador muss ich sagen, dass die sanitären Grundbedingungen fürs Tattoo stechen eventuell ein wenig ungeeignet sind, insofern würde sich die, was Sauberkeit angeht deutlich über dem Durchschnitt liegende, Stadt Cuenca anbieten. Selbst Maike ist sich jedoch nicht ganz sicher, aber dafür gibt es ja Idioten, die man Freunde nennt, um spontane Aktionen, die der Belustigung aller dienen, kompromisslos durchzuboxen und auszuführen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Kathrin, Irina und Ich innerhalb weniger Minuten einen super Plan zusammengestellt haben, der Maike bei ihrem Vorhaben unterstützen soll. Wie genau, bin ich mir heute auch nicht mehr sicher, aber damals klang alles ganz logisch.

Schnell steht fest: Wenn Maike die Tattoo Aktion durchzieht, präsentieren wir uns alle der Welt mit einer nicht zu übersehenden Veränderung in Form von

  1. Einem Piercing in Irinas Ohr
  2. Einer braunen Farbwäsche mit Rotstich für Kathrins engelsblonde Haare
  3. Einem Militärschnitt für mich mit abschließender Rotfärbung

Begeistert wie seit dem Moment nichtmehr, als ich einen Tag vorher in Chugchilan von meinem halbtoten Gaul hinabsteigen konnte, mache ich mich mit den drei Mädels auf den Weg zurück zum Hostel um unseren Plan in die Tat umzusetzen. Die Begeisterung schwindet (ähnlich wie tags zuvor) wenig später, diesmal nicht, weil der Schmerz  des Ausritts sich langsam in Beinen und Hintern ausbreitet, sondern weil ich anfange nachzudenken. Welcher Idiot hat sich diesen Mist mit dem Kurzhaarschnitt einfallen lassen? Richtig, ich selbst, als niemand anderem etwas für mich eingefallen ist.
20 Minuten später sitze ich auf dem Friseurstuhl einer 3 Dollar Frisöse (ich rede mir ein, der Preis hat nichts mit der Leistung zu tun, sondern mit der Masse an Kunden, die den Salon besuchen und die niedrigen Preise ermöglichen) und weiß nicht, wen ich mehr hassen soll: Sie oder Mich.

Bevor ich zu Ende denken und abwägen kann, ist die Hälfte meiner Haare weg, was mich schließlich zu einem Schluss kommen lässt: SIE!!!

Die folgenden Momente möchte ich gerne in einem Video wiedergeben. Meine leicht extreme Ausdrucksweise spiegelt eventuell meinen Emotions- und Adrenalinpegel ganz gut wieder. Natürlich entschuldige ich mich dafür hier noch einmal offiziell und distanziere mich von allem, was in der Hitze des Momentes so von sich gegeben wurde. Trotzdem oder gerade deswegen wünsche ich euch viel Spaß.

http://www.vidup.de/v/O4K3F/

Da dieser Blog meine Erfahrungen behandelt, belasse ich es bei Fotos der anderen 3 Aktionen, aber ich bin mir sicher, dass ihr auf den jeweiligen Blogs viele interessante Berichte findet.

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Turn Your World Upside Down!

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Mehr oder weniger glücklich legen wir uns abends schlafen und ich beginne zu grübeln ob Patrick, der immer noch kotzend im Hostel in Latacunga liegt, nicht besser davon gekommen ist.

 

2.10.2013

Wir erheben uns langsam aus den Betten und rekapitulieren, wie nach einem Abend mit einem Drink zu viel, die Ereignisse des gestrigen Tages… und ihre Konsequenzen:

Maike hat ein verdammt cooles Tattoo in Form einer umgedrehten Weltkarte (nach dem Motto unserer Organisation: „Turn your World upside down“), was sie immer an Ihr Auslandsjahr erinnern wird.

Kathrin, da sind sich alle einig, sieht mit dunklen Haaren noch besser aus.

Irina, die auch die Möglichkeit hat, das Piercing jederzeit rauszunehmen, ist sehr zufrieden mit sich und ihrer Entscheidung

Und der Rote H.P Baxxter Verschnitt (Hyper, Hyper werde ich in den nächsten Tagen und Wochen öfter zu hören bekommen, wie ich jetzt weiß) liegt im Bett, verdrückt eine Träne, gibt sich damit ab, dass er als einziger ziemlich beschissen aussieht und schwört sich, nächstes Mal doch wieder zum extra Drink zu greifen und nüchterne Spontanaktionen sein zu lassen.

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Haferflocken mit Joghurt aus Plastikbechern zum Frühstück…Erinnerungen an Interrail kommen wieder hoch

Der Rest des Tages verstreicht ohne große Ereignisse, wir setzten uns in den falschen Bus, essen dadurch in einem amerikanisch angehauchten Restaurant einen Burger und ich kann mein erstes Bayern Spiel (ManCity 3:1 zerstört!) im Fernsehen sehen. Ein milder Trost für die kurzen Haare.

Abends setzen wir uns noch in einen Park und trinken ein Bier, bis und die Polizei ins Hostel schickt, weil öffentliches Trinken und vielleicht auch C-Promi Imitationen mit falscher Haarfarbe in Cuenca verboten sind…Hyper Hyper!

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